Bericht

 Seminar

 Nichtgewalttätige Kommunikation

23. und 24. Mai 2009

Schule Goce Delcev, Tetovo, Mazedonien

 

 Leitung:        Hristian Danvuloski, HOPS (Healthy Options Project Skopje)

Drasko Kostovski, H.E.R.A. (Health Education and Research Association)

 

Organisation und Koordination:                      Zoran Andonov

                                                                                              Radica Dimitrieska

Uebersetzerin:       Violeta Pavloska

  

 Vorbemerkungen

 Das Interesse wieder ein Seminar unter dem Patronat von FRIEDENSBRUGG zu organisieren, war seitens von Zoran und seitens der Teilnehmenden, gross. Auf Grund der Rückmeldungen aus dem Workshops vom April 2008 wurden unter anderem folgende Themen vorgeschlagen: Klischees, Nichtgewalttätige Kommunikation, Jugendliche und Drogen, Arbeit mit hyperaktiven Kindern. Dem Ziel von FRIEDENSBRUGG „Vermittlung in Konfliktsituation“ folgend, haben wir das Thema Kommunikation bevorzugt.

Das Programm (siehe Beilage), zusammengestellt von den beiden Kursleitern, wurde dem Vorstand von FRIEDENSBRUGG vorgängig zur Ueberprüfung vorgelegt und akzeptiert. Der Zeitplan musste dann leicht abgeändert werden, weil wegen eines Streiks die Lehrpersonen am Samstagnachmittag teilweise unterrichten mussten. So wurde das Seminar am Sonntag entsprechend verlänger.

 Organisation

 Die beiden Moderatoren waren für das pädagogische Konzept und Zoran wie gewohnt für die Organisation verantwortlich. Violeta war unsere Uebersetzerin und Radica wirkte als Assistentin von Zoran.

Die Berichtverfassenden, Daniel Martin und Agathe Schuler, reisten vom 22. bis 25. Mai 2009 nach Mazedonien und nahmen am Seminar als Beobachtende teil.

 Es nahmen 32 Lehrpersonen am Seminar teil, die meisten haben schon mehrere Workshop von FRIEDENSBRUGG besucht.

Bericht über das Seminar

Daniel Martin

 

  1. Das Programm

Ich beschränke mich auf das Wesentliche des Programms.

Die Problematik der Diskriminierung, die Vorurteile und die grundlegenden Menschenrechte der UNO-Charta waren die zentralen Themen. Die Vielfalt der Aspekte der gewaltfreien Kommunikation wurden aufgezeigt.

Theoretische Grundlagen wurden zu den einzelnen Teilbereichen der gewaltfreien Kommunikation erarbeitet und dargeboten.

Im Anschluss an jeden Teilbereich eines Themas hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Uebungsmöglichkeiten. Sei es mit Rollenspielen, sei es ,in dem Fallbeispiele diskutiert werden konnten.

Sowohl die Vorbereitung wie die Durchführung des Programms waren vorbildlich. Visuell wurden die Darbietungen mit Powerpoint  unterstützt. Die beiden kompetenten Moderatoren wechselten sich in ihrer Aufgabe ab. Beiden gelang es vorzüglich, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Das Feedback am Schluss des Workshops war bezüglich der Leitung ausschliesslich positiv.

 

Aus meiner Sicht fehlte etwas die Balance zwischen Theorie und Praxis. Der Theorie wurde zu viel Gewicht beigemessen. Trotzdem gelang es den Moderatoren, die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. Die Arbeit in Kleingruppen, anstelle der Arbeit im Plenum, hätte mehr gegenseitigen Austausch ermöglicht, bei dem alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Zuge gekommen wären.

Die Spontaneität der Leitung  vermochte alle in ihren Bann zu ziehen. Auch wenn ich längst nicht alle Inhalte übersetzt bekam, fiel mir auf, wie klar und zielorientiert  die Leiter gearbeitet haben.

Die beiden „voll gepackten“ Tage waren von einer positiven Atmosphäre geprägt. Themen und Inhalte passten zusammen. Die rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten einen durchwegs aufgestellten Eindruck am Ende des Workshops.

 

2. Rück- und Ausblick

Seit 2004 (siehe Beilage) arbeiten wir mit Lehrerinnen und Lehrern in Tetovo zusammen. Primäres Ziel ist die Vermittlung zwischen den Ethnien.

Die beiden Ethnien, die mazedonische und die albanische, sind an den Workshops in etwa zu je 50% vertreten.

In der ersten Phase der Zusammenarbeit haben wir Themen vorbereitet, Themen, die wir erfragt haben. In der zweiten Phase haben zwei Lehrerinnen aus Tetovo den Workshop geleitet und von uns wurde der Workshop nur noch begleitet. In der dritten Phase haben zwei mazedonische Moderatoren die Themen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorbereitet und sie haben auch die Verantwortung für die Durchführung übernommen. Auch diese beiden Workshops wurden von uns begleitet.

Da stellt sich jetzt  die Frage: Wie weiter? 

Die Segregation in der Schule könnte mit einer gemeinsamen Projektwoche in einer Schule kurzzeitig aufgehoben werden. Diese Idee könnte die vierte Phase der Zusammenarbeit sein. Es ist aber auch durchaus möglich, das Projekt in Tetovo bezüglich Lehrerinnen- und Lehrerworkshop zu beenden.

 

Reise-Eindrücke

(Agathe Schuler)

 

Die Segration ist in Tetovo nach wie vor im Alltag spürbar. Die Zusammenarbeit auch in den gemischten Schulen scheint gering zu sein. Im Gespräch mit dem Schulrektor und den Lehrkräften wurde erklärt, dass der Unterricht wohl im gleichen Schulhaus, aber in getrennten Schichten und in getrennten Klassen, erfolgt.(Vermutlich war das aber auch im „alten Jugoslawien zu Titos Zeiten“ so.)

Unsere Begleitungen haben uns erzählt, dass es auf dem „Boulevard“ in Tetovo eine mazedonische und eine albanische Seite gibt – allerdings, wenn man von dem Seinen nicht beobachtet sein will, dann besucht man das Café gegenüber...

 

Die Stadt Tetovo und ihre Umgebung hat sich in den letzten Jahren – ich habe die Stadt 2003 erstmals besucht – wenig verändert. Die Gebäude und Strassen z.B. sind in sehr schlechtem Zustand. Fortschritte oder Entwicklungsperspektiven sind kaum festzustellen. Die Arbeitslosigkeit im Land ist sehr hoch. Die finanzielle Unterstützung an ihre Familien durch im Ausland arbeitende Landsleute sowie das KnowHow der Rückkehrenden sind nicht unbedeutende Wirtschaftsfaktoren. Wir sind „auf Schritt und Tritt“ Menschen begegnet, die mal im deutschsprachigen Ausland gearbeitet haben. Anders ist die Situation bei den Lehrkräften, da haben die wenigsten „Auslanderfahrung“. Heute brauchen Mazedonische Staatsangehörige ein Visum für Reisen ins Ausland (ausser für die ehemaligen jugoslawischen Länder). Das bedeutet, dass die Kontaktmöglichkeiten für die Bevölkerung des kleinen, wirtschaftlich schwachen Binnenlandes beschränkt sind.

Aufgefallen ist uns auf dem Transfer vom Flugplatz bei Skopje nach Tetovo die neue Botschaft der USA: ein riesiges eingezäuntes, bewachtes Areal, mit wuchtigen Bauten. Welches Signal soll dieses Gebäude im südosteuropäischen Kleinstaat aussenden? 

 Mai/Juni 2009

 

Beilagen

Anhang 1       Programm des Seminars mit Zeitplan

Anhang 2       Chronik Seminare/Workshops von FRIEDENSBRUGG in Tetovo 

 

Programm des Seminars vom 23. / 24. 05. 2009 

Anmerkung: Wie im Bericht beschrieben, konnte am Samstag Nachmittag kein Workshop durchgeführt werden. Die Blöcke A5, A7, A9 wurden auf den Sonntag verschoben und an beiden Tagen begann das Seminar bereits um 08.30. 

 

 Chronik:         FRIEDENSBRUGG in Mazedonien 

Tetovo

Dezember 2002                                 1. Kontakt mit GGG Freiamt in Olten

Frühling 2003                                     1. Kontaktreise mit GGG Freiamt (Otti Studer)

19. 09. – 22.09. 2003                         2. Kontaktreise (Agathe Schuler & Otti Studer)

 

Workshops mit Themenvorgabe und Vorbereitung durch Kursleitung aus der Schweiz

13.05. – 16.05.2004               1. Workshop Tetovo „Konflikte in der Schule“

25.11. – 29.11.2004               2. Workshop Tetovo Spielen, mit Spielen spielend lernen“

Mai 2005                                 3. Workshop Tetovo „Zusammenarbeit in der Schule“

03.11. – 7.11.2005                 4. Workshop Tetovo „Projekt Bewegung“

08. – 09.04. 2006                   5. Workshop Tetovo „Eine Schule bekennt Farbe “

23.11. – 27.11.2006               6. Workshop Tetovo „Feeling fine ... „

 

Workshop vorbereitet von Lehrkräften aus Tetovo

14./15.04. 2007                      Workshop, „Wie gut kennen wir uns“

 

Workshops vorbereitet durch Moderatoren aus Mazedonien

15./16. 03. 2008                     Workshop „Effektive Partnerschaft zwischen                                                                     Jugendlichen und Erwachsenen“

23./24.05.2009                       „3. Selbst.“ Workshop Gewaltfreie Komunikation 

 

Shutka/Skopje

FRIEDENSBRUGG ist seit 2006 auch in Shutka/Skopje tätig. Dort wurden 3 Workshops organisiert.

 

 

 

 

 

 

FRIEDENSBRUGG, Postfach, CH-4102 Binningen, e-mail:  info@friedensbrugg.ch  

Design: MANDAPRO AG 

                                            Stand: 07. July 2010