Biolandbauprojekt in Osijek

 

Das Biolandbauprojekt wird seit 1998 von der DEZA (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit) unterstützt.

Aufgrund der Vorprojektarbeiten wurde das Hauptprojekt in 3 Phasen strukturiert.

Projektphase 1         1.1.99 - 31.7.01

Projektphase 2         1.8.01 - 31.3.03

Projektphase 3         1.4.03 - 31.3.04

Die einzelnen Phasen wurden mit Zwischen- und Abschlussberichten für die DEZA dokumentiert. Diese Berichte sind nicht öffentlich, die Inhalte können aber von Interessierten angefordert werden.

 

Kurzbericht 2001

Die Vereinigung BIOPA hat sich im Rahmen unseres Projektes Biolandbau weiter erfreulich entwickelt. IM Laufe des Jahres haben sich weitere Bauern zum Mitmachen bei den ersten Anbauplänen entschlossen. Dank der Zusammenarbeit mit einem holländischen Projekt konnte Biopa eine kleine Firma, BIOPA Produkt d.o.o., gründen. Sie kümmert sich um Sammlung, Sortierung, Verpackung und Versand der Bioprodukte. Sie hat auch einen kleinen Geräte-Park verfügbar, den die Mitglieder ausleihen können. Mit einem Stand in der Markthalle in Osijek konnten erste Erfahrungen mit der Eigenvermarktung gesammelt werden.

Nach der abgeschlossenen 1. Projektphase haben wir von der DEZA die 2. Phase zur Ausweitung und Konsolidierung der Biopa-Arbeit bewilligt bekommen. Dadurch wird es möglich, die Tätigkeit offiziell auf die benachbarten Zupanje (Verwaltungsbezirke ähnlich unserer Kantone) Pozega, Vukovar, Vinkovci und Slavonski Brod auszuweiten und wieder Kontakte nach Bosnien und Serbien zu pflegen. Eine erste Zweigstelle in Pozega wurde bereits eröffnet. Erste Kontaktaufnahmen mit Gruppen in Bosnien und Serbien im Rahmen einer Planungsreise haben eine äusserst erfreuliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg gezeigt; es werden wieder Brücken des Friedens gebaut. Mit Kursen zur professionellen Weiterbildung von Beratern werden wir im Frühjahr 2002 die Verselbständigung des Projektes einleiten.

Peter Fankhauser

 

Zusammenfassung 2002

Auf der soliden Basis der letzten Jahre haben wir im Frühjahr 2002 zum ersten Mal Fortbildungs-Kurse mit Teilnehmern aus fast dem ganzen ehemaligen Jugoslawien abhalten können. Teilnehmer aus Kroatien, Serbien, Bosnien und Mazedonien haben gemeinsam Prinzipien der Tierhaltung und Tierzucht, des Pflanzenbaus mit Fruchtfolgen und organischer Düngerwirtschaft, der Bekämpfung von Beikräutern und Krankheiten, des ökonomischen Betriebs-Management und der Heimproduktion gelernt. Unsere Lehrer der Organisation REDD (Réseaux Echange et Développement Durable) Markus Lüthi und Pierre Praz haben mit grossem Einsatz und grosser Kompetenz die Kurse vorbereitet und auch das Kursmaterial zu späterem Gebrauch entwickelt. Die Kurse richteten sich an Leute mit Erfahrung in Landwirtschaft und mit dem Wunschziel, später selbst Bauern auszubilden. Die Teilnehmer erhielten auch entsprechende Kursbestätigungen zur späteren Verwendung. Die Teilnehmer au Mazedonien kamen aus einem Projekt der Pro Natura. Sie durften bei uns an den Kursen teilnehmen und zwei von unseren BIOPA-Beratern durften dafür später einen von Pro Natura gesponserten Kurs in der Schweiz besuchen. Aus den Kursen hat die REDD Erfahrungen gesammelt, die sie in einen Projektvorschlag SARD (Sustainable Agriculture and Rural Development) einfliessen lassen konnten. Leider ist es uns allen zusammen bisher noch nicht gelungen, eine Finanzierung für diesen Projektvorschlag zu finden. Wir hoffen, dass zu späterem Zeitpunkt eine Finanzierung durch EU-Mittel möglich wird. Im Herbst ist unser Projekt im Auftrag der DEZA durch Frau Ziegler als externer Expertin evaluiert worden. Frau Ziegler hat in einem umfangreichen Bericht attestiert, dass im Vergleich zu den geringen eingesetzten Mitteln sehr gute Ergebnisse erzielt wurden. Sie hat auch klar gesagt, dass für eine professionelle Weiterbearbeitung eine Reihe organisatorischer Aenderungen und ungleich höhere Mittel nötig wären. Da Kroatien nicht mehr Schwerpunktsgebiet der DEZA ist und ausserdem die DEZA generell die Biolandbau-Projekte in Osteuropa nicht mehr massiv unterstützen will, wurde uns nach längeren Verhandlungen und mehreren vorgeschlagenen Alternativen schliesslich eine weitere Finanzierung für ein Jahr in etwas reduziertem Umfang zugesprochen. Ausserdem wurde uns erlaubt, die bei Friedensbrugg vorhandenen Mittel erst nach Abschluss der Projektperiode einzusetzen. BIOPA muss sich also darauf vorbereiten, bereits ab Frühjahr 2004 weitgehend und nach einer kurzen Uebergangszeit  völlig selbständig weiter zu arbeiten. BIOPA hat in der Berichtsperiode vom kroatischen Landwirtschaftsministerium in Zagreb die Akkreditierung als Inspektionsbehörde und als Registrar für ökologische Landwirtschafts- und Verarbeitungsbetriebe erhalten. Es ist vorgesehen, diese Tätigkeiten in einer selbständigen Firma (voraussichtlich BIOPA INSPEKTA) auszuüben. Die Firma wird als Joint Venture mit der schweizerischen Inspektions-Stiftung IMO (Institut für Marktökologie) gegründet. Das ermöglicht ihr, für die Bauern gleichzeitig zu deren Registrierung in Kroatien als auch über IMO für die Zertifizierung zum Export aktiv zu sein. Damit sollte sie sich eine führende Position in der Biolandwirtschaft in Kroatien erhalten können. Leider hatte die im Zusammenhang mit einem holländischen Projekt gegründete Handelsfirma BIOPA PRODUKT d.o.o. nicht den gewünschten Erfolg, weil die holländischen Zielsetzungen an der Realität vorbei gesteckt wurden. Es ist vorgesehen, für die künftige Vermarktung der Bioprodukte sowohl in Kroatien als auch für den Export eine Firma im Besitz der Produzenten (ähnlich wie die schweizerischen Produktionsgenossenschaften) zu gründen oder wenn möglich die bestehende Firma entsprechend umzunutzen. Es war extrem schwierig, eine geeignete Person als künftigen Leiter der Firma zu finden und wir hoffen, mit der Einstellung die bestmögliche Lösung getroffen zu haben. Leider steht im kommenden Jahr nicht mehr genügend Geld zur Verfügung, um Kurse in ähnlicher Art wie letztes Jahr weiterzuführen. BIOPA hat sich daher unserem Vorschlag nach Anregung von Frau Ziegler angeschlossen, eigene Ausbildungsgruppen von interessierten Bauern zu gründen, die für eine selbständige Weiterbildung sorgen sollen. Mit intensiven Planungsgesprächen im November 2002 und im Mai 2003 haben wir die weitere Zukunft so gut als möglich vorbereitet. Im Herbst soll eine weitere Planungsrunde für die Saison 2003 / 2004 stattfinden. 

Peter Fankhauser  

Zusammenfassung und Kommentar aus dem Abschlussbericht Phase 2

 

Die Situation in Ostslawonien hat sich im Verlauf des Projektes stark verändert. In der Vorphase 1997/99 waren die Auswirkungen des Krieges noch überall präsent. NGOs existierten noch kaum, Biolandbau war unbekannt und eine Gesetzgebung dazu noch nicht einmal in Diskussion. Jetzt denken die Leute nur noch selten an den Krieg zurück, Biolandbau ist Gegenstand eines kroatischen Gesetzes und BIOPA ist als NGO für Biolandbau in ganz Kroatien bekannt.

 

Das Monitoring von Frau Ziegler hat uns wertvolle Hinweise für die weitere Gestaltung des Projektes gegeben. Sie sind inzwischen voll in die Durchführung der vergangenen Phase und in die Planung der neuen eingegangen.

 

Dank der Ausbildung mit insgesamt bescheidenen Mitteln durch unsere Experten von REDD (Lüthi, Praz, Taramarcaz, Damary; ursprünglich z.T. noch beim FiBL) sind eine Reihe von Bauernbetrieben in der Lage, brauchbare Bioprodukte zu produzieren. Es ist BIOPA auch gelungen, Kombinate in der Region mit grossen Ackerflächen für Versuche mit Biolandbau in den sensiblen Gebieten um das Naturschutzgebiet Kopatcki Rit und in Trinkwasserfassungs-Zonen zu gewinnen.

 

Das Verständnis für Inspektion und Zertifizierung als Qualitätssicherung für Bioprodukte ist bei sehr vielen Produzenten erzielt worden. Die Mechanismen dafür sind etabliert. BIOPA hat erfolgreich bei der Zertifizierung für den Export von Produkten ihrer Mitglieder mitgewirkt. Nach der Akkreditierung als Zertifizierungsstelle sind jetzt zwei Leute vollamtlich mit Zertifizierungen für die domestische Registrierung in ganz Kroatien tätig. Eine Joint Venture mit IMO ist in Vorbereitung.

 

Die Vermarktung von Bioprodukten ist noch nicht so erfolgreich, wie wir erhofft hatten. Trotzdem und trotz Rückschlag infolge des Fehlschlages mit dem holländischen Projekt ist im letzten Jahr ein respektabler Umsatz von 60'000 EURO erzielt worden. Die Aussichten für weiteren Erfolg im Rahmen der Projektphase 3 mit dem vollamtlichen Leiter einer neuen Firma sind gut. Das Interesse des Grossverteilers Agrokor und die Erfolge des BIOPA-Mitglieds Mavrovic mit sehr teuren Bio-Markenprodukten stimmen zuversichtlich für die Möglichkeiten im Lande selbst.

 

Die Unterstützung der Zupanje Osijek (Regierungsbezirk analog den CH Kantonen) hat sich etabliert. In den Nachbar-Zupanje sind neben- und ehrenamtlich betreute Büros vorhanden. Die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen in Kroatien und über die Grenzen hinweg nach Serbien und Bosnien ist gut angelaufen. Die häufig nachgefragte Präsenz von BIOPA in den Medien zeigt das öffentliche Interesse an Biolandbau und Bioprodukten.

 

Wie auch der Monitoring-Bericht von Frau Ziegler feststellt, ist noch viel Bedarf nach professionellerer Ausbildung vorhanden, der mit den vorhandenen Mitteln nicht abgedeckt werden konnte. Leider wird im Rahmen der Projektphase 3 kein Geld für weitere Ausbildung mit auswärtigen Experten vorhanden sein. Wir hoffen, dass mit dem System der Selbsthilfe-Gruppen das Notwendigste trotzdem gemacht werden kann.

 

Das zusätzliche Jahr Unterstützung durch Projektphase 3 soll die Aktivitäten soweit konsolidieren, dass die Biolandwirtschaft im Umfeld von BIOPA selbständig weiter gedeihen kann. Wir sind insgesamt zuversichtlich, dass das gelingen wird.

 

 Peter Fankhauser

 

 

FRIEDENSBRUGG, Postfach, CH-4102 Binningen, e-mail:  info@friedensbrugg.ch  

Design: MANDAPRO AG 

                                            Stand: 07. July 2010