Reisebericht:  Osijek  30.9. - 1.10. 2000

Projekt:” Kompostieren an der Schule”

Teilnehmer: Reto Lareida, Hans Zwicky, Peter und Margrit Fankhauser

Abreise am 30.9.19.51h

Ankunft in Osijek 1.10. 20.40h

 

Montag, 2.10. 2000

Besuche an folgenden Schulen:

Alle haben an unserem letztjährigen Kompostkurs teilgenommen.

 

Am Morgen:

Kindergarten  Mak, Osijek

Hier wird das Grüngut aus der Schulküche von den Köchinen kompostiert. Der Kompostplatz ist sauber eingerichtet und wird sehr gut bearbeitet. Reto Lareida ist zufrieden mit dem Resultat. Wir werden zu Kaffee und Sebstgebackenem eingeladen.

 

Schule Antun Mihanovic, Osijek

Auch hier werden wir freudig empfangen. Der Kompostplatz ist in gutem Zustand. Ein zweiter wird neu vor dem Schulhaus eingerichtet. Die Qualität des fertigen Komposts ist sehr gut. Auch diese Schule macht im Oekoschulprogramm mit.Wieder gibt es Kaffee und Gebäck.

 

Schule Frankopan, Osijek

Hier sind die Kinder am Arbeiten. Wir bekommen kleine Kompostsäcke geschenkt. Alle bekommen ein Magnoliaclubabzeichen (Oekoclub der Schule). Mir wird ein Trockenblumenstrauss geschenkt. Ueberall hängen die Kinder an den Fenstern, da gerade Pause ist. Die Schule geht ihren Weg zur Oekoschule Schritt für Schritt weiter. Auch hier werden wir bewirtet.

 

Es ist erfreulich wie offen und freudig wir überall empfangen werden. Die Lehrerinnen dürfen sich Zeit nehmen um mit uns zu reden. Wenn sie zu wenig deutsch können ist die Deutschlehrerin als Uebersetzerin dabei. Meist nimmt auch der Rektor oder die Rektorin und die Schulpädagogin am Treffen teil.

 

Am Nachmittag:

Reto Lareida geht mit Mira Vidakovic zum Rekognoszieren nach Vukovar.

Mira Jelcic vom Kompostzenter, Hans Zwicky und ich fahren (im Mietauto) nach Ernestinovo.

 

Schule in Ernestinovo

Die Schule in Ernestinovo ist eine serbisch/kroatische Schule. Wir werden vom Rektor und dem Lehrer, der für den Kompostplatz verantwortlich ist empfangen. Der Kompostplatz ist gut eingerichtet. Die Schüler kompostieren zusammen (serbische und kroatische). Der Platz ist im Innenhof der Schule eingerichtet. Wir können noch mit dem Lehrer und Rektor reden (Mira übersetzt). Sie zeigen uns das Schulhaus. Dieser Lehrer unterrichtet in beiden “Sprachen”. Es hat auch viele Plakate und Bilder die kyrillisch und lateinisch beschriftet sind. Hier funktioniert die ethnienübergreifende Idee sehr gut. Auch hier gibt es Kaffee und Gebäck. Leider ist am Nachmittag keine Schule, so lernen wir keine andern Lehrer kennen.

 

Dienstag, 3.10. 2000

 

Workshop in Vukovar

Kursleitung:               Reto Lareida

Organisation:            Mira Vidakovic, Stadtverwaltung Osijek, Uebersetzung                                                 Dolmetscherin der Stadtverwaltung Osijek

Kursort:                      Friedenszentrum Vukovar, Kompostplatz (privat)  bei einem                                                 Hochhaus in Vukovar, eingerichtet von Mira Jelcic,                                                             Kompostzenter Osijek

TeilnehmerInnen:       24 LehrerInnen aus Vukovar

                                    Als Gast Rektorin vom Kindergarten Mak aus Osijek

Gäste:                                    Peter und  Margrit Fankhauser, Gerd Krauth, Hans Zwicky

 

Reto ändert das Programm leicht ab, da der Kompostplatz ca. zehn Fussminuten entfernt ist. Er hält zwei Lektionen hintereinander, so dass wir nur zweimal zum Kompostplatz gehen müssen. Der Raum im Friedenszentrum ist sehr gut eingerichtet (auch Wandtafel etc.). Zuerst sind die Teilnehmer etwas scheu. Dann beginnen sie mitzumachen. Leider sind die Tiere, die im Kompost gesucht werden sollen nicht mehr lebendig, da sie die Reise aus der Schweiz im geschlossenen Kessel nicht überstanden haben. Dafür ist nun allen klar wie wichtig die Luft für den Kompost ist. Zum Glück haben wir noch Kompost von der Frankopanschule dabei und finden dort einige lebendige Tiere. Zum Mittagessen gehen wir alle zusammen ins Restaurant bei der Donau. 

In der zweiten Praxislektion bietet die Rektorin des Kindergarten Mak ihre Hilfe an und lädt alle zu einem Besuch in Osijek ein. Ein Kindergarten in Vukovar bekommt Werkzeug, da sie mit einem Kompost beginnen wollen. Am Kurs nimmt auch eine alte Bekannte teil. Eine der Kindergärtnerin aus dem ehem. Vutexkindergarten die früher schon an einem Musikworkshop von FB war. Sie wird den andern Grüsse ausrichten. Die Lehrerinnen von früher sind alle noch dort.

Ich denke, dass hier neue Kontakte Vukovar - Osijek geknüpft worden sind. Dies ist sehr wichtig, da die Situation in Vukovar (zerstörte Häuser, Arbeitslosigkeit) immer noch sehr schwierig ist und die LehrerInnen zum Teil sehr isoliert sind.

 

Mittwoch, 4.10.2000

 

Workshop in Vinkovci

Kursleitung:               Reto Lareida

Organisation:            Mira Jelcic, Kompostzenter Osijek, Oekogruppe SDP Vinkovci

Kursort:                      Lokal der SDP Vinkovci

Teilnehmer:               29, LehrerInnen, Oekogruppe, Privatpersonen

Uebersetzung:            Sprachlehrerin aus Vinkovci

Gäste:                                    Margrit Fankhauser, Gerd Krauth, Hans Zwicky, am                                                      Nachmittag: Peter Fankhauser, Mira Vidakovic Stadtverw.                                         Osijek

 

Die Teilnehmer machen sofort mit. Es hat hier mehr Männer als Frauen die am Kurs teilnehmen. Leider hat es hier noch keinen Kompostplatz. Reto macht aber den Start zum ersten Platz im Garten der SDP. Die Teilnehmer haben Grünzeug mitgebracht. Heute hat es lebendige Tiere im mitgebrachten Kompost von Mira Jelcic. Es wird fleissig gejagt. Am Ende sieben wir den mitgebrachten Kompost aus, der in kleine Säcke abgefüllt regen Absatz findet.

Die SDP wird den Kompostplatz als Musterplatz weiterbetreiben.

 

Donnerstag, 5.10. 2000

Wir besuchen noch einmal die Frankopanschule. Sie zeigen uns ihre ganze Dokumentation, die sie machen um schlussendlich als Oekoschule zu gelten. In den nächsten Tagen wird eine Inspektion vorbeikommen. Es ist sehr beieindruckend, wie hier alle LehrerInnen mitmachen. Oeko wird fächerübergreifend betrieben. So haben die Lehrer auch ein riesiges Plakat mit Kompostmonster gemalt, das am Kompostplatz aufehängt ist. Ein paar Schüler sind gerade daran an den zwei Schuleingängen je sieben riesige Fussabdrücke zu malen. Es sind die sieben Schritte zum Ziel. Bei den Bäumen vor der Schule hat es Schilder, dass sie mit Kompost gedüngt sind, der von der Oekoschule kommt. Das Oekoprogramm ist ein EU - Programm, zugänglich über Internet. Leider hat die Frankopanschule keinen Computer. So schaut die Pädagogin bis jetzt immer zu Hause im Internet nach. Es wäre gut dieser Schule mit einem oder zwei Computern den Weg zum Internet zu öffnen. Dort könnten sie dann auch mit andern am Programm teilnehmenden Schulen kommunizieren.

 

Reto Lareida reist mit dem  12.15h zurück in die Schweiz. Mira V. bringt ihn zum Bahnhof.

 

Schule in Tenja

Am Nachmittag fahren wir mit Mira J. nach Tenja. Hier gibt es auch zweierlei Klassen. Wir werden vom Abwart und von der Lehrerin, die den Kompostplatz betreibt empfangen. Leider wurde schon einmal die Einrichtung gestohlen. Der Abwart hat ein neues Gitter gemacht. Der  Platz wird auch von “gemischten” Kindern betrieben. Diese Lehrerin unterrichtet  in beiden “Sprach-Klassen”. Es kehren viele Leute zurück, auch viele Kinder, so dass sie in drei Schichten Schule haben, da das Schulhaus zu klein ist. Es kommen auch serbische Familien zurück.

 

Freitag, 6.10. 2000

Hans Zwicky und ich besuchen die Vladimir Bekic Schule. Wir werden schon erwartet und vom Schulsekretär Feliks Lorenz empfangen. Rektor Marko Matovac begrüsst uns, muss aber an eine Sitzung. Feliks Lorenz zeigt H.Zwicky die ganze Schule. Er beantwortet viele Fragen von Hans so dass wir erst nach ca. zwei Stunden wieder gehen. Er hat uns auch viel über die momentane Situation erzählt, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten etc.

 

Samstag, 7.10. 2000

 

Kompostieren auf dem Bauernhof

Besuch auf dem Hof Tolmacevic in Forkusevci

Auf diesem Bauernhof wird Gemüse (Tomaten, Paprika, Kohl) angebaut. Es werden auch Hühner gemästet. Der Bauer hat einen riesigen Hühnermisthaufen den er als Dünger verwenden möchte.Hühnermist sollte jedoch nicht direkt aufs Feld ausgebracht werden, da er zu “scharf” ist. Das Grünzeug vom Gemüse wie Tomatenstauden etc.hat er bisher auf eine Deponie gebracht, da er nicht wusste wie er dies zusammen mit dem Mist kompostieren kann. Wir erklären ihm wie er einen Kompost aufsetzen muss. Mira Jelcic vom Kompostzenter und ich schlagen vor, direkt auf dem Feld eine Kompostmiete anzufangen. Der Vorschlag wird freudig aufgenommen und sofort wird das benötigte Werkzeug organisiert. Auf dem Feld wird mit vereinten Kräften das erste Muster eines Haufens aufgeschichtet. So ist es den Leuten nun ganz klar wie sie vorgehen müssen, um ihr Material zu gutem Kompost zu verarbeiten. Dies spart viel Geld das der Deponie bezahlt werden müsste und ermöglicht ihnen biologisch zu produzieren. Wenn das ganze gut funktioniert, werden wir diese Feldrandkompostierung als Muster für andere weiterverwenden. Im Moment empfahlen wir dem Bauern seine Miete mit Stroh abzudecken, was nicht ganz optimal ist. Wir werden uns erkundigen, ob es möglich ist Top-Tex in grossen Mengen und zu guten Konditionen zu organisieren.

 

Bemerkung:

Das Kompostprojekt wird von den beiden Miras mit viel Elan vorangetrieben. Das Kompostzenter hat für weitere Plätze in der Baranja Geld von der englischen Botschaft erhalten, die dieses Projekt sehr gut findet. Auch die OSCE interessiert sich dafür. Die Zupanja hat Geld für Kompostblätter zur Verfügung gestellt, welche sehr gut gemacht wurden und an die Leute zur Instruktion verteilt werden. Die Schulen geben zum Teil an die Eltern weiter wie diese zu Hause kompostieren können. Die Stadtverwaltung (Mira Vidakovic) hilft kräftig mit und ist immer interessiert, die neuen Kontakte (auch mit Orten in andern Zupanjas z.B. Vukovar und Vinkovci), die das Projekt ermöglicht zu knüpfen.

 

Die Frankopanschule füllt ihren Kompost in kleine Säcke und verkauft ihn an Oekomärkten und Ausstellungen. Das eingenommene Geld wird für die Minenräumung gespendet. Das von den Minen verseuchte Landwirtschaftsgebiet ist sehr gross. Durch diese Arbeit der Kinder wird auch das Bewusstsein von Oekologie als Beitrag zum Frieden gefördert.

 

“Zwei Sprachensystem” an den ethnisch gemischten Schulen

Es wurde uns von ganz verschiedenen Seiten gesagt, dass die Kinder viel lieber in die gleichen Klassen gehen möchten. Sie möchten nicht anders sein. Dies geschieht auch zum Teil. Leider sind noch nicht alle serbischen Eltern soweit, dass sie akzeptieren können ihre Kinder in die kroatische Schule zu schicken. In der  ehemaligen UNPA - Zone (Baranja und Vukovar) können die jungen Leute in Kroatien oder Serbien studieren. Dies wird zum Teil auch gemacht. Die Zukunftschancen seien aber besser, wenn sie in Kroatien studieren ( Aussage einer serbischen Lehrerin).

Viele kroatische Familien sind wieder in ihre Dörfer zurückgezogen. Auch die serbischen Familien, die weggegangen waren, kommen zum Teil (sofern sie ihr Haus nicht verkauft haben) wieder zurück.

 

 

Margrit Fankhauser

 

Design: MANDAPRO AG 

                                            Stand: 04. Mai 2011