Jahresbericht 2002 / 2003   

 

1.    Die zehn Jahre FRIEDENSBRUGG im kroatisch-serbischen Grenzgebiet

 

Vor genau 10 Jahren brach die erste Delegation der FRIEDENSBRUGG ins Kriegsgebiet des ehemaligen Jugoslawien auf. Die Erkundigungen im vom Krieg gezeichneten Gebiet entlang der Donau mit der total zerstörten Stadt Vukovar, bewogen uns, vorerst in Südungarn ein Begegnungszentrum für Menschen aus den verfeindeten Bevölkerungsgruppen einzurichten. Nach einigen Sommerlagern für Jugendliche und Workshops für spezifische Berufsgruppen konnten wir ab 1995 Aktivitäten in der eigentlichen Konfliktzone Ostslawonien aufnehmen. Seither fanden Dutzende von Seminarien in diesem Teil Kroatiens statt und nach dem Ende der Miloseviczeit  auch in der multikulturellen Vojvodina (Serbien).

Dank unserer Initiative und Hilfe konnten zurückkehrende Bauern in Ostslawonien ihr Land biologisch bebauen, wurden Lehrerinnen und Psychologinnen aus Novi Sad in gewaltfreier Kommunikation geschult, wurden Abfallfachleute und Laien zu Kompostberatern ausgebildet, sehen sich Lehrpersonen an kroatisch-serbisch gemischten Schulen in der Zusammenarbeit gestärkt.

Der Grundsatz von FRIEDENSBRUGG hat sich bewährt, die Projekte mit Bevölkerungsgruppen verschiedener ethnischer und politischer Herkunft zu fördern und den Prozess der Versöhnung und des Wiederaufbaus zu begleiten.

2.    Die Projekte

 

FRIEDENSBRUGG hat im letzten Jahr mit folgenden Projekten ihre Tätigkeiten in

Ostslawonien (Kroatien) und in der Vojvodina (Serbien) weitergeführt.

 

 

·        Beratung in Bio-Landbau und Kompostieren

 

(Projektleitung: Peter und Margrit Fankhauser)

 

Im Frühjahr 2002 haben wir zum ersten Mal Fortbildungs-Kurse mit Teilnehmenden aus fast dem ganzen ehemaligen Jugoslawien abgehalten. Zusammen mit der Vereinigung BIOPA haben wir einen neuen Projektvorschlag erarbeitet, der uns für ein letztes Jahr bis Frühjahr 2004 die Unterstützung durch die DEZA sichert. BIOPA hat im Berichtsjahr die Akkreditierung des kroatischen Landwirtschaftsministeriums für die Inspektion und Zertifizierung von Ökobetrieben erhalten. Noch nie bisher wurden solche staatlichen Aufgaben an eine NGO übertragen.

Auch beim Kompostieren ist der Durchbruch gelungen: die Stadtverwaltung Osijek und der kroatische Kompostverein haben Teilnehmende aus den ehemaligen Partnerstädten vor dem Krieg wieder zusammengebracht. Leute aus Osijek, Zagreb und Rijeka (Kroatien), aus Novi Sad und Subotica (Serbien) und aus Tuzla und Maglaj (Bosnien) haben gemeinsam je einen einwöchigen Einführungskurs im November 2002 und einen Aufbaukurs im Mai 2003 besucht und sich zu Kompostberatern ausbilden lassen.

 

·        Ausbildung in gewaltfreier Kommunikation

 

(Projektleitung: Verena Jegher und Christine Wullschleger)

 

In der serbischen Stadt fanden Kurse in „Gewaltfreier Kommunikation“ statt für Mitarbeitende des Projektes „Duga“ (Regenbogen). Diese sind Freiwillige, die Betagte und randständige Menschen betreuen. Die Teilnehmerinnen - Anfängerinnen und Fortgeschrittene - waren hoch motiviert.

Die Kurswoche im März war allerdings infolge der Ermordung Djindjics und des Ausnahmezustandes geprägt von Trauer, Wut, Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit.

Immerhin ist mittlerweile in Serbien ein Kurs in NVC (Non Violent Communication) die Voraussetzung für die Erlangung des Lehrpatents!

·        Seminare für Lehrerinnen und Lehrer

 

(Projektleitung: Agathe Schuler, Daniel Martin, Otto Studer)

 

In der kroatischen Stadt Osijek führte Friedensbrugg ein Seminar durch über „die alltäglichen Vorurteile, Diskriminierungen und Konflikte in Ostslawonien“. Zudem bereiteten die kroatischen Teilnehmenden die Abschlussveranstaltungen vor, die von einer (privaten) 10-köpfigen Friedensbrugg-Delegation aus der Schweiz im Mai 2003 ausgiebig besucht wurden.

In der serbischen Stadt Novi Sad fand ein Seminar statt über „Gewalt in der Schule, bei mir selber, in Partnerschaft und Familie“ und über „Konflikte als Ursache von Gewalt“.

 

 

3.    Die Fotoausstellung „Krieg  -  ungeweinte Tränen“

 

Eine Veranstaltungsreihe von „FRIEDENSBRUGG“ und „AMICA Schweiz“ in der Offenen Kirche Elisabethen, Basel.

 

Aus dem Fundus der Foto-Agentur TOTOTOF wurde eine Auswahl von künstlerisch hervorragender Fotos von den Schauplätzen der Jugoslawien-Kriege ausgestellt. Ohne Zuordnung und Kommentar sprachen die Bilder für sich und zeigten die Sinnlosigkeit der Kriege auf. Das Echo war bei Besucherinnen und Besuchern, sowie der Presse sehr gut.

Unter dem Titel „Taten zum Frieden tun Not“ fanden verschiedene Rahmenveranstaltungen Schweizerischer Friedensorganisationen statt. Trotz Jahrestag „11. September“ und drohendem Irak-Krieg hielt sich der Publikumsaufmarsch in Grenzen.

 

 

4.  Die Vorschau: Projekte in Mazedonien

 

Ähnlich wie vor 10 Jahren in Kroatien/Serbien bietet sich die Situation in Mazedonien: kein Krieg (mehr), aber (noch) grosse Spannungen zwischen den Ethnien, die sich besonders auch im Schulwesen manifestieren. Friedensbrugg hat deshalb Kontakt aufgenommen mit der Organisation „Gemeinden Gemeinsam“ (GGS) Muri/Freiamt, die seit rund 10 Jahren im mazedonischen Tetovo tätig ist. Eine Delegation unter der Leitung von Vorstandsmitglied Otto Studer nahm in Skopje Verhandlungen auf mit Matthias Siegfried, der früher Geschäftsführer von GGS war und jetzt CH-Botschafter in Skopje ist, sowie mit Vertretern von „Gemeinden Gemeinsam Tetovo“ (GGT). Diese Organisation ist vor Ort breit abgestützt und kann uns für die geplanten Projekte an verschiedenen Schulen ein wertvolles Beziehungsnetz bieten.

Weitere aktuelle Informationen folgen an der GV.

 

 

                                                                                              11. Juni 2003 / 

 Marc Joset, Präsident

 

 

 

  

 

FRIEDENSBRUGG

 

Ergänzungen zum Jahresbericht 2002 / 2003

 

 

 

Vorstandsmitglieder 2002 / 2003:

 

Margrit Fankhauser, Peter Fankhauser, Verena Jegher, Marc Joset, Louis Kuhn, Daniel Martin, Agathe Schuler, Otto Studer, Christine Wullschleger

 

Zusätzliche Mitarbeitende bei Delegationen und Seminarleitungen:

 

Verena Brönnimann, Marie-Louise Wigger, Ruth Biland, Brigitte Heckendorn, Karl Eisenring, Annemarie Renold, Gerd Krauth, Gérard Klausner, Markus Lüthi, Pierre Praz, Reto Lareida , Dieter Simonet

 

Mitarbeitende vor Ort:

 

Monika Simek, Mira Pasalic, Tatjana Budac, Annamaria Vucinic, Petra Gligororijevic, Snezana Rosic, Vera Srdic, Ivana Vucelic, Ildico Vracaric, Jarmila Bujak, Nada Ignatovic, Eva Rambala, Svenka Savic, Mirko Heffer, Stevan Crnogorac, Petar Jaksic, Davor Samota, Hrvoje Sandukcic, Ivan Milicevic, Dubravko Kupcinovac, Berislav Vrklian, Mira Jelcic, Mira Vidakovic, Karmen Krajina,

 

     

 

                                                                                         

Hinweis auf 2 Publikationen:

 

·        „Friedensförderung und Konfliktbearbeitung in der Schweiz“

 

Eine Bestandesaufnahme von schweizerischen Kapazitäten der Friedensförderung und Konfliktbearbeitung mit Fokus auf Krisenregionen; 80 Organisationen, die sich für die Bearbeitung oder Verhinderung gewaltsam ausgetragener Konflikte engagieren.

 

Von Claude André Ribaux im Auftrag des Eidg. Departementes für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

 

(S. 96: „Friedensbrugg“)

 

bullet„Peace Education in Europe“

 

Visions and experiences

 

Von Werner Wintersteiner / Vedrana Spajic-Vrkas

 

(S. 262: „Human Rights and Nonviolence: Peace Education in Croatia“)

 

 

 

 

                                                                                                                                    11.6.2003/mj

 

 

 

 

 

 

 

FRIEDENSBRUGG, Postfach, CH-4102 Binningen, e-mail:  info@friedensbrugg.ch  

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                                            Stand: 07. July 2010