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Bericht über meine Tätigkeit in Tuzla und Novi Sad vom10. bis 17.3. 2008von Verena Jegher Am Abend des 10. März bin ich in Tuzla angekommen. Mir war, ich landete in einem Kohlebergwerk, so stark roch es nach Kohlenrauch... „Meine“ Übersetzerin holte mich ab und informierte gleich: Übernachten in einem Pensiönli. Arbeit von 9h bis 12h und 14h bis 17h mit 2 Gruppen. Nira, die Inderin, habe vielleicht auch noch eine Gruppe. Ich war angenehm überrascht, da ich bis anhin von der ganzen Organisation trotz wiederholter Nachfrage wenig gewusst hatte... Die Arbeit war ein voller Erfolg – ich bin unendlich dankbar: Alle immer da, alle engagiert, interessiert. Die Themen waren: Ich und meine Kinder zuhause, ich und meine Mutter, welche die Kinder hütet, wenn ich arbeite und ausgehe, ich und Rassismus in der Schule, ich und Spannungen mit Chef, KollegInnen, mit Partner, mit FreundInnen. Alle erhielten eine vom Pädagogischen Institut unterschriebene, abgestempelte Kursbestätigung. Drei Frauen arbeiten im Gefängnis, die restlichen in Schulen als LehrerInnen und Schulpsychologinnen. Mindestens vier sind bald bereit, vom cnvc zertifiziert zu werden. Zu meiner grossen Freude haben sie endlich beschlossen, eine Übungsgruppe zu organisieren. Eine der beiden Leiterinnen des Amica-Hauses wird da auch mit machen. Nira hatte es vermocht, eine Gruppe von 12 Leuten zu organisieren, die meisten Mitarbeitende ihres Mannes, der in einer von Indern gekauften Koksfabrik eine leitende Stellung einnimmt. Das Seminar fand auf Englisch an 3 Abenden von 17.30h bis 21h statt. Auch diese Gruppe arbeitete zu meiner Verwunderung engagiert mit und dankte von Herzen. Wir vereinbarten, dass ich während der 2. Hälfte Oktober wieder mit ihnen allen arbeite. Meine Unterkunft gefiel zwei Kursteilnehmern, die ich schon länger kenne, gar nicht. Amir schlug vor, dass ich bei ihm und seiner Familie wohne, d.h.,, wir fuhren jeweils am Abend eine Stunde lang nach Gradaçaç. Am Morgen holte mich dann Yussuf, welcher zur Morgen-Gruppe gehörte, ab, und wir fuhren zusammen wieder nach Tuzla. Das gefiel mir sehr, weil ich so viel mehr vom Leben dieser Menschen mit bekam. Es war zwar anstrengend – meist kamen wir um 22h an und mussten um 7.45h wieder los – aber lebendig. Highlights Gute Bezahlung der indischen Gruppe, was dem Haus „Flamena mira“ (Friedensflamme, von HollänerInnen gesponsert), wo wir arbeiteten, zugute kam. Zwei der drei Übersetzerinnen wollen auch als „Schülerinnen“ mitarbeiten, eine tut das schon seit geraumer Zeit. Wir erlebten drei „unglaubliche“ Geschichten, hier ein Beispiel: Eine Teilnehmerin erzählte, sie lebe seit 6 Jahren mit ihrem Partner zusammen. In letzter Zeit vermisse sie es, dass sie gemeinsam etwas unternehmen. Am liebsten gehe sie mit ihm spazieren. Wenn sie ihn frage, sage er, er habe noch viel für die Schule vorzubereiten, wenn aber seine Freunde anriefen, habe er immer Zeit. Darüber sei sie sehr traurig. Wir haben diese für sie so unerfreuliche Situation miteinander nach den „Regeln“ von NVC bearbeitet. Darauf wollte die Teilnehmerin mit mir und der Übersetzerin den Mittag verbringen und etwas Kleines essen. Als wir gemütlich zusammen sassen, läutete ihr Handy. Ihrer Antwort entnahm ich, dass es ihr Freund war. „Und“, fragte ich, „magst Du uns sagen, was er wollte?“ „Ja, gerne. Er fragte, wo ich sei, weil er mit mir spazieren gehen wolle.“ Am Samstag brachte mich Amir mit der ganzen Familie nach Doboj, von wo ein direkter Bus nach Novi Sad fuhr. Nach 7 Stunden Fahrt (die Strassen sind so schlecht, dass man streckenweise kaum lesen kann) kam ich endlich an – aber nicht am gewohnten Ort, wo mich Mirko, der Mann meiner Freundin abholen wollte. Als ich meiner Freundin sagen wollte, ich warte am Bahnhof und nicht am Busbahnhof, merkte ich, dass ich in der Hast meine Handtasche im Bus gelassen hatte!!! Was für ein Schrecken! Ich bat einen Mann, mir sein Handy zur Verfügung zu stellen und rief Ildiko an. Dann kam ein Auto angefahren, ein Mann – es war der Chauffeur des Buses – stieg aus und streckte mir meine Tasche entgegen!!! Ich bin ihm fast um den Hals gefallen, wollte ihm dann Geld geben, er lehnte ab. Später hat Mirko ihn ausfindig gemacht und ihm eine Flasche selbst gebrannten Schnaps gebracht. Am Sonntag Nachmittag traf ich Jasmina, mit welcher ich jeweils im EHO zusammen gearbeitet hatte. Sie hat letzten Herbst gekündigt, hat nicht verurteilt noch geklagt, nur erzählt, dass viel von dem gesponserten Geld in privaten Taschen verschwindet. Immer, wenn ich in Novi Sad bin, will Svenka Saviç, Professorin an der Uni, dass ich in ihrem Center for women studies eine Vorlesung halte. Diesmal ging es um „Oekofeminismus“. Zum Glück hatte ich genug Material und nötige Titel im Kopf und konnte die zweimal 60 Minuten mit interessierten StudentInnen verbringen. Unser anschliessendes Gespräch war sehr angeregt. Sehr erfüllt und dankbar bin ich ohne Panne am Dienstag heim gereist. p.s.Alle Namen, ausser Svenk Saviç, sind abgeändert. |
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Stand: 07. July 2010 |